KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

in der Personalvoraus­wahl

KÜNSTLICHE IN­TEL­LI­GENZ IN DER PER­SO­NALVOR­AUS­WAHL

Eine empirische Studie über die Ak­zeptanz von Recruitern gegenüber dem Einsatz künst­licher Intelligenz in der Personalvor­auswahl.

Begriffe wie „Digitalisierung“ und „künst­liche Intelligenz“ (KI) sind in aller Munde und be­einflussen viele Bereiche – auch die Personal­auswahl. Allerdings besteht häufig eine Dif­ferenz zwischen der Rele­vanz und der Nutzung neuer Technolo­gien. Diese Studie bestä­tigt, dass künst­liche Intelligenz ein großes Zukunftsthe­ma ist – 81 % der befragten Re­cruiter sehen es als zukunftsrelevant an. Pas­send dazu, sind 65 % der Mei­nung, dass Unternehmen, welche sich einer solchen Technologie nicht öffnen, als altmodisch be­trachtet werden. Im Gegensatz dazu fällt die Nutzung eher niedrig aus. Die Mehrheit der Recruiter hat mit 57 % kein bis nur ein geringes Wissen über künst­liche Intelligenz. Nur 37 % kennen solche Systeme und nur 10 % haben sie bereits benutzt.

Die Studie widmet sich dieser Diskre­panz zwischen der Relevanz und Nutz­ung und unter­sucht, wie Akzeptanz von künst­li­cher Intelligenz in der Personal­vor­aus­wahl bei Recruitern geschaffen bzw. ge­steigert werden kann.

Stichprobenvor­stellung

Die vorliegenden Ergebnisse gehen auf eine evidenzbasierte Fragebogenstudie zurück. Es wurden ausschließlich Personen befragt, des­sen Aufgabengebiete Recruitingtätig­keiten beinhalten. Insgesamt bestand die Stichprobe aus 249 Teilnehmern mit einem Durch­schnittsalter von 35 Jahren (46 % weiblich, 53 % männlich). Die meisten Teilnehmer kamen aus der IT, EDV, Computer und Mathematik-Branche (17 %), dem Management bzw. der Beratung (15 %) sowiesonstige Dienstleistungen (12 %).

Ein erstes Stim­mungsbild

Ein erstes Stimmungsbild zeigt, dass künstliche Intelligenz als innovativ und spannend angesehen wird. Neben der Neuartigkeit und ho­hen Relevanz dieser Thematik erkennen Recruiter auch deren Nutzen und die Vorteile. So wird künst­liche Intelligenz als gewinn­bring­end und unterstützend eingeschätzt. Neben den vorteilhaften Aspekten, sehen Recruiter KI jedoch auch als unsicher, unzuver­lässig und unberechenbar an.

Was hindert Re­cruiter an der Nutzung

Durch die Studie wurden fünf wesent­liche Gründe identifiziert, welche zu Wi­derständen bei Recruitern führen und die Nutzung von KI verhindern. Mit 58 % wurde fehlende Transparenz am häufigsten genannt. Dies geht mit der Einschätzung einher, dass KI unsicher, un­zuverlässig und unberechenbar ist, da der hinter der Software liegende Pro­zess nicht nachvollziehbar erscheint. Außer­dem gehen 33 % der Recruiter davon aus, dass KI von den Bewerbern nicht akzeptiert wird. An dritter Stelle wurden der kritische Datenschutz und das feh­lende Vertrauen in Software zu 31 % ge­nannt. Die Angst davor, Kontrolle über die Ergebnisse und den Prozess zu ver­lieren, wurde mit 24 % der Recruiter als wichtig angegeben. Ferner konnten zwei wesentliche Aspekte identifiziert werden, welche die Recruiter in ihrem Nützlich­keitsurteil signifikant beeinflussen: feh­lendes Ver­trauen und Kontrollverlust. Beide Widerstände wirken sich auf die wahrgenom­mene Nützlichkeit der KI negativ aus, so dass Recruiter, welche der KI nicht vertrauen und davon aus­gehen, dass sie die Kontrolle verlieren, die Nützlichkeit als geringer ein­schätzen.

Was spricht für die Nutzung der KI?

Neben den Gründen, welche die Re­cruiter daran hindern, die Software zu nutzen, wurden ebenfalls Argumente für die Nutzung erhoben. Diese Akzeptanz­determinanten ermitteln, welche Eigen­schaften die Software aufweisen muss. Als wichtigster Aspekt wurde die Fehler­freiheit (37 %), gefolgt von der Einhal­tung moralischer und gesetzlicher Stan­dards (34 %) genannt.

Darüber hinaus ist die Effizienzsteiger­ung (34 %) und die Auswahlqualität (32 %) ein weiterer wesentlicher Faktor, da­mit die Recruiter die Software nutzen würden. Neben der Arbeitserleichterung und der Qualität der Ergebnisse ist den Recruitern die Kommuni­kation und Information über die Software (13 %) wichtig. Um Transparenz über die KI und ihre Funktionsweise zu schaffen, befür­worten Recruiter darüber hinaus eine Probe- bzw. Testversion, um die Software kennen zu lernen. Insgesamt wird deut­lich, dass den Recruitern nicht nur eine Verbesserung und Erleichterung der eigenen Arbeit, sondern besonders auch die Ergebnisqualität, d.h. die diskrimi­nierungsfreie Auswahl der pas­sends­ten Bewerber, und ausreichend Informa­tionen über die Software wichtig sind.

Um die Akzeptanz der Recruiter be­züglich der Nutzung dieser Software zu erhöhen, kann an verschiedenen Punk­ten angesetzt werden. Besonders zu beachten ist, dass nicht nur das Produkt an sich, sondern auch der Softwareher­steller überzeugen muss. Durch ent­sprechende Marketingmaßnahmen kann die Außendarstellung des Software­her­stellers verbessert und damit das Ver­trauen in den An­bieter, dessen Kom­munikation und wahrgenommene Kom­petenz gesteigert werden.

In Anlehnung an das geringe Wissen über künstliche Intelligenz ist es be­sonders wichtig, Informationen zur Ver­fügung zu stellen. Um die Recruiter schneller von der Zuverlässig­keit und Qualität der Software zu überzeugen sowie das Vertrauen in die Software zu steigern, können Erfahrungsberichte und Informationspakete zur Verfügung ge­stellt werden.

Neben der Information spielt die Partizi­pation eine wesentliche Rolle, da durch die Mitbe­stimmung und Teilnahme der Recruiter an der Implementierung Wi­derstände abge­baut werden können. Hierzu können Diskussionsrunden und Evaluationen genutzt werden. Ferner sollte die Softwareeinführung durch eine Testversion der Software und verschie­dene begleitende Maßnahmen unter­stützt werden, um die Einführung mög­lichst effektiv zu gestalten. Hierzu kön­nen unter anderem Erklärvideos oder verschiedene Schulungen genutzt werden.

Autoren:

Loreen Hennemann, Studentin Wirtschaft, Psychologie und Management (M.Sc.)
Laura Schlegel, Studentin Wirtschaft, Psychologie und Management (M.Sc.)
Annika Hülskötter, Studentin Wirtschaft, Psychologie und Management (M.Sc.)

Erstellt im Projektseminar „Evidenzbasiertes Management“ an der Universität Kassel in Kooperation mit LogOn & Raven51.

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