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    Diskussion: Wie tief die Kluft zwischen Generation Y/Z und Babyboomern wirklich ist

    Glaubt man einschlägigen Kommentaren in der Fachpresse, trennen Berufseinsteiger und -erfahrene im Jahr 2019 Welten: Zu unterschiedlich scheint das Mindset von Millennials und Babyboomern. Was ist dran an den Generationenstereotypen? In unserem Streitgespräch diskutieren Udo A. Völke, Jahrgang 1968 und CMO der Raven51 AG, und Projektmanagerin Vanessa Kurz, geboren 1992, über Selbst- und Fremdwahrnehmung, gängige Missverständnisse und gelungenes Generationen-Teamwork.

    Die Generationen Y und Z sind in der HR-Branche ein heiß diskutiertes Thema. Warum eigentlich?

    Udo A. Völke: Das hat viel mit der Professionalisierung im Personalmarketing zu tun. Vorm Fachkräftemangel hat man sich noch nicht so viel den Kopf über verschiedene Bewerbergenerationen und das Thema Zielgruppen zerbrochen. Heute definieren wir bei komplexeren Kampagnen erstmal eine Candidate Persona, um den passenden Marketingmix zu entwickeln. Dabei spielen auch Generationenspezifika eine zentrale Rolle: Sie helfen uns, unsere Kandidaten besser zu verstehen.

    Vanessa Kurz: Zugleich sorgen die neuen Anforderungen, die meine Generation an die Arbeitswelt formuliert, vielerorts für Unruhe. Unser selbstbewusstes Auftreten beim Einstieg in den Beruf und unser Veränderungswille verursachen bei vielen Älteren die nicht ganz unbegründete Sorge, mittelfristig von lieb gewonnen Konventionen Abschied nehmen zu müssen.  

    Was meinst du damit genau?

    Vanessa Kurz: Schon bald werden die ersten Millennials Führungspositionen übernehmen. Das wird die deutsche Arbeitswelt entscheidend verändern! Ältere Generationen sind in Sachen Innovation und Disruption oft etwas zurückhaltend und misstrauisch. Millennials hingegen sind eher als die meisten Babyboomer dazu bereit, Dinge einfach auszuprobieren und zu verändern.

    Udo A. Völke: Einspruch! Meine Altersgenossen und ich haben die größte Technologierevolution der jüngeren Zeit vorangetrieben: die Verlagerung der Kommunikation ins Internet. Mit dem Verlassen der Komfortzone kennen wir uns also mindestens genauso gut aus wie die Generationen Y und Z, die einen solch grundlegenden Wandel niemals bewusst miterlebt haben. Im Unterschied zu vielen Jüngeren laufen wir aber nicht mehr jedem Trend bedingungslos hinterher, sondern schauen uns genau an, welchen Mehrwert ein neues Produkt oder ein neuer Service bieten könnte. Ob etwas konventionell oder agil daherkommt, ist uns dabei ziemlich egal: Das Ergebnis muss stimmen.

    Heißt das umgekehrt, dass Millennials weniger ergebnisorientiert denken?

    Vanessa Kurz: Das ist Unsinn – genauso wie der oft in den Medien geäußerte Vorwurf, wir hätten eine schwache Arbeitsmoral. Engagement und Ergebnisorientierung bedeuten für uns: sich einbringen, mitdenken, das Unternehmen voranbringen, sich weiterbilden. Viele Millennials sind extrem motiviert, haben mehrere Abschlüsse, gründen noch während ihrer Ausbildung ein Unternehmen, betreiben Hobbyprojekte. Wir sind genauso investiert in unsere Arbeit wie unsere Vorgänger – achten aber vielleicht nicht so sehr darauf, als Erster im Büro zu sein und als Letzter zu gehen. Unser Anspruch: mehr Effizienz und Ergebnisorientierung, weniger Dienst nach Vorschrift. Und uns ist wichtig, dass unsere Arbeit Sinn macht und einem höheren Ziel dient: Spaß, Erfüllung, Berufung, Leidenschaft – das ist, was wir im Job suchen. Wir wollen etwas Positives zur Gesellschaft beitragen und nicht einfach nur Geld verdienen. Dafür gehen wir dann auch gerne die berühmte Extrameile.

    Das große Millennial-Thema
    „Purpose“ also. Ist denn das Suchen nach Sinn im Karrierekontext tatsächlich etwas
    Neues?

    Udo A. Völke: Sinnhaftigkeit war auch schon früher ein gutes Verkaufsargument für Jobs. Neu ist, dass der „Purpose“ heute oft von der Peripherie ins Zentrum der Arbeitgeberkommunikation rückt. Dass diese Strategie vielerorts verfängt, macht deutlich, dass es bei der jüngeren Generation tatsächlich ein neues Bewusstsein gibt. Zum Vergleich: Ich gehöre zur „Generation Golf“, also geprägt in den eher hedonistischen 80/90ern. Als wir in den Job eingestiegen sind, waren wir mit Strukturen und Vorgesetzten konfrontiert, die nur wenig Raum für die Sinnfrage ließen. Karriere, Erfolg und Geld schufen die Voraussetzungen, um sich im privaten Umfeld mit sinnhaften Dingen zu beschäftigen. Die Statussymbole sind heute andere und ein Großteil der materiellen Grundbedürfnisse sind bei jungen Menschen bereits erfüllt. An diese Leerstelle rücken andere Ziele. Und genau da kommt das Thema „Sinnhaftigkeit“ ins Spiel.

    Wenn das Mindset der Generationen so unterschiedlich ist: Wie kann dann überhaupt Zusammenarbeit funktionieren?

    Udo A. Völke: Indem man die Ansprüche, Bedürfnisse und Herangehensweisen Anderer respektiert. Das war übrigens schon immer ein guter Soft Skill, um erfolgreich mit unterschiedlichen Menschen und Generationen zusammenzuarbeiten. Und wenn ich mir unsere Teams bei Raven51 anschaue, muss ich sagen, dass das ziemlich gut funktioniert. Wir müssen bei der gesamten Generationendiskussion auch bedenken: Die 25- und 50-Jährigen sind sich heute in Sachen Werte und Erfahrungswelten sehr viel näher, als das früher der Fall war – zwischen Weltkriegsgeneration und Beatniks lagen wirklich Welten!

    Vanessa Kurz: Ich denke auch: Wenn man in die Arbeitspraxis guckt, merkt man schnell, dass die Generationen-Hysterie in der öffentlichen Debatte nur bedingt die tatsächliche Lage in den Unternehmen widerspiegelt. Ob Babyboomer oder Millennial: Wir verfolgen in unseren Projekten gemeinsame Ziele und steuern unsere Parts dazu bei – jeder auf seine Weise, was ja auch immer eine große Bereicherung ist! Die aufgeregte Diskussion in den Medien erscheint mir deshalb manchmal wie ein Klischee, das fast so alt ist wie die Geschichte der Menschheit selbst. Schon Sokrates hat vor 2.500 Jahren lamentiert: „Die Jugend verachtet Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte.“ Ehrlich gesagt: Genauso klingt manche Millennial-Kritik älterer Semester in den Kommentarspalten der HR-Presse.