Udo, du bist Teil der Jury des ersten TALENTpro Awards. Was hat dich gereizt, dich mit aufs Podium zu setzen?
Udo A. Völke: Das Recruiting befindet sich gerade in einer Phase, in der sich wieder einmal sehr viel gleichzeitig verändert: Arbeitsmärkte sind zerklüftet, Technologien entwickeln sich rasant weiter und auch die Anforderungen an Kandidatinnen und Kandidaten verändern sich. Früher haben einheitliche Lösungen oft funktioniert – heute braucht im Grunde jedes Unternehmen neben einer Strategie auch ganz individuelle Lösungen.
Woran machst du das fest?
Udo A. Völke: Wenn man sich aktuelle Studien anschaut, sieht man sehr deutlich, wie groß der Handlungsdruck geworden ist. Während der Wettbewerb um Jobs unter Arbeitnehmern zuletzt wieder zugenommen hat, berichtet dennoch fast jeder zweite Recruiter in Deutschland (49 %), dass es schwieriger geworden sei, qualifizierte Talente für offene Stellen zu finden – das zeigt eine aktuelle Umfrage von LinkedIn.
Auf welche Ursachen ist diese schwierige Ausgangssituation im Recruiting zurückzuführen?
Udo A. Völke: Hauptgründe sind fehlende gefragte Skills (54 %) sowie ein Mangel an qualifizierten Bewerbern (54 %). Gleichzeitig steigt der Druck, offene Stellen schneller und effizienter zu besetzen (45 %). Und immerhin fast 40 Prozent der Recruiter geben an, dass ihr Unternehmen zunehmend erwartet, sogenannte Hidden Gems zu identifizieren – also Kandidaten mit wertvollen, bislang übersehenen Fähigkeiten. Mehr als ein Drittel (35 %) fühlt sich darauf jedoch bislang nicht ausreichend vorbereitet. Kein Wunder, wenn sich Personaler hier und da überfordert fühlen.
Der TALENTpro Award erfüllt deshalb in meinen Augen eine wichtige Funktion: Er macht Projekte in den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Recruiting Tech sichtbar, die genau auf die veränderten Parameter im Recruiting einzahlen. Früher ging es in vielen Bereichen vor allem darum, Reichweite zu erzeugen – also Stellenanzeigen möglichst breit sichtbar zu machen. Heute geht es viel stärker darum, die richtigen Zielgruppen sehr präzise zu erreichen und schneller Recruiting-Erfolge zu erzielen.
Was unterscheidet eine gute Idee von einem wirklich preiswürdigen Projekt
Udo A. Völke: Gute Ideen im Recruiting gibt es viele. Eine preiswürdige Lösung erkennt man daran, dass sie drei Dinge zusammenbringt: Relevanz, Umsetzung und Wirkung.
Relevanz bedeutet zunächst einmal, dass ein Projekt ein echtes Problem adressiert. Der zweite Punkt ist die Umsetzung. Eine Idee kann noch so kreativ sein – wenn sie operativ nicht funktioniert oder nicht skalierbar ist, bleibt sie ein Konzept. Uns interessiert deshalb sehr stark, wie Projekte tatsächlich implementiert wurden. Und der dritte Punkt ist die Wirkung. Also die Frage: Hat sich durch das Projekt messbar etwas verbessert?
Wie bewertet ihr die eingereichten Projekte?
Udo A. Völke: Wir bewerten Einreichungen nach Originalität – wie einzigartig und inspirierend ist das Projekt oder die Recruiting-Tech-Lösung? Nach Ressourceneinsatz – wie effektiv wurden Technologien und Tools und das Medien-Spektrum des Marktes genutzt? Nach Außenwirkung – welche Resonanz erzielte das Projekt in Medien und Öffentlichkeit? Und nach Innenwirkung – wie wurde das Projekt intern angenommen und welche Auswirkungen hatte es auf die Mitarbeitenden?
Wenn ein Unternehmen überlegt, ein Projekt für den Award einzureichen: Worauf sollte es besonders achten?
Udo A. Völke: Mein wichtigster Rat ist: nicht versuchen, möglichst spektakulär zu wirken, sondern möglichst klar zu zeigen, welches Problem gelöst wurde. Die spannendsten Projekte im Recruiting sind nicht die plakativsten, sondern die, die ein konkretes Hindernis im Recruiting-Prozess tatsächlich aus dem Weg geräumt haben. Meines Erachtens lohnt es sich, mitzumachen. Teilnehmer positionieren ihr Unternehmen als Vorreiter in der Recruiting-Community, sie erweitern ihr Netzwerk und können sich nebenbei von anderen Best Cases inspirieren lassen. Das ist doch eine Win-Win-Win-Situation.
Und zum Schluss: Worauf freust du dich persönlich bei der TALENTpro in diesem Jahr am meisten?
Udo A. Völke:
Die TALENTpro ist für mich jedes Jahr ein besonderer Termin, weil sie einen sehr guten Querschnitt durch das zeigt, was im Recruiting gerade passiert. Man trifft dort Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen – Recruiter, HR-Verantwortliche, Dienstleister, Technologieanbieter und Jobbörsenbetreiber – und bekommt ein realistisches Bild davon, wo die Branche aktuell steht.
Was ich besonders schätze, ist der Austausch über konkrete Erfahrungen – auf Seiten der Kunden und der Anbieter. Neue Technologien, neue Kanäle sowie neue Erwartungen von Kandidaten – da hilft es enorm, voneinander zu lernen und zu sehen, was in anderen Unternehmen funktioniert.
Danke für das Gespräch, Udo!
Unternehmen, die neue Wege im Recruiting, Employer Branding oder Recruiting Tech gegangen sind und damit messbare Ergebnisse erzielt haben, sind ausdrücklich eingeladen, ihre Projekte einzureichen. Der TALENTpro Award bietet die Möglichkeit, erfolgreiche Ansätze sichtbar zu machen – und sie mit der HR-Community zu teilen. Wer also ein Projekt umgesetzt hat, das Recruiting nachweislich verbessert hat, sollte die Chance nutzen: Einreichungen für den TALENTpro Award sind noch bis zum 3. April 2026 möglich. Jetzt anmelden.

