Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick
Das Interview mit Experte Kacper Potega, Senior Vice President Product & Marketing bei XING, zeigt klar: Recruiting ist im Wandel. Die folgenden Fakten bringen die zentralen Erkenntnisse auf den Punkt:
- Talente sind knapper als Jobs
- Recruiting-Erfolg misst sich an Einstellungen statt an Reichweite
- KI verbessert die Relevanz der Talentansprache
- Talentpools verkürzen die Time-to-Hire erheblich
Recruiting im Wandel: XING - vom Business-Netzwerk zur Jobplattform
Warum wird XING zunehmend zur Jobplattform statt zum reinen Netzwerk?
Als XING vor 20 Jahren gegründet wurde, war die Welt eine ganz andere: Jobs waren knapp, wer ein möglichst großes Netzwerk aufgebaut und gepflegt hat, hatte die besten Chancen auf die interessantesten Stellen. Ein Business Social Network war hier die logische Lösung.
Aber die Welt hat sich verändert…
Ja, richtig. Zum einen gibt es mittlerweile gute, andere Plattformen, auf denen Menschen sich vernetzen können. Zum anderen entwickelt sich der Arbeitsmarkt, getrieben durch den demografischen Wandel, in eine andere Richtung: Heute ist das Talent das knappe Gut. Für XING hat sich hier eine Chance geboten: Indem wir das erste Job-Board bauen, bei dem die Jobs die Talente finden, können wir wieder relevante Probleme lösen. Das treibt uns extrem an.
Dürfen wir vorstellen? Kacper Potega

Kacper Potega entwickelt seit über 20 Jahren digitale Produkte mit klarem Fokus auf das Nutzererlebnis und ist seit 2022 bei XING als Teil der Geschäftsleitung für alle Produktbereiche und das Marketing zuständig. Davor war er u.a. CPO eines SaaS-Scale-ups sowie in leitender Funktion bei Monster tätig.
Recruiting im Wandel: Die richtigen KPIs im Recruiting nutzen
Warum ist Reichweite kein geeigneter Erfolgsmaßstab im Recruiting?
Unser Ziel ist es, unsere Kunden erfolgreich zu machen. Das bedeutet, dass Unternehmen, die mit XING eine Stelle besetzen wollen, das auch tun. Reichweite ist hierfür kein guter Maßstab für Erfolg, weil heute jeder im Internet sehr günstig Traffic einkaufen kann. Diesen in Bewerbungen und Besetzungserfolg zu verwandeln, das ist, worauf es wirklich ankommt.
Kurz gesagt: Reichweite allein führt nicht zu Einstellungen – relevante Bewerbungen schon.
Wie aussagekräftig sind dagegen Kennzahlen wie durchschnittliche Bewerbungszahlen im Recruiting?
In unserem XING Bewerbungsreport 2025 haben wir herausgefunden, dass ein Unternehmen im Schnitt 19 Bewerbungen braucht, um einen Einstellungserfolg zu erzielen. Diese Zahl gilt es also zu überbieten, um die Wahrscheinlichkeit hochzuhalten, dass unsere Kunden mit uns auch echten Erfolg haben.
In der Natur der Sache liegt aber auch: Natürlich sagt die reine Quantität noch nichts über die Qualität der Bewerbungen aus. Und: Beides sind nur Durchschnittswerte. Einige Unternehmen sind mit weniger Bewerbungen bereits erfolgreich, in anderen Fällen braucht es eben auch einige mehr.
Deswegen verlassen wir uns nicht rein auf diese eine Kennzahl, sondern stehen in sehr engem Austausch mit unseren Kunden, um zu verstehen, wo wir schon Erfolg erzeugen und an welchen Stellen wir unsere Performance noch weiter ausbauen müssen.
Die Time-to-Hire im Recruiting reduzieren
Wie lässt sich die Time-to-Hire im Recruiting verkürzen?
Aus dem bereits zitierten XING Bewerbungsreport wissen wir, dass durchschnittlich 21 Tage vergehen, bis das Unternehmen das erste Interview führt. Hier liegt also gigantisches Potenzial, die Time-to-Hire insgesamt zu straffen. Wir unterstützen das, indem wir für XING-Kunden Talentpools mit Initiativbewerbungen aufbauen, schon bevor ein Kunde überhaupt eine Stellenanzeige bei uns schaltet.
Wie geht Ihr dabei vor?
Hierfür nutzen wir die Profile der bestehenden Mitarbeiter der Unternehmen, zeigen ihre Jobs potenziellen Kandidaten an mit der Frage: „Wenn dieser Job frei würde, wärst du interessiert?“ So haben unsere Kunden an Tag 0 bereits Zugriff auf interessierte Kandidaten, noch bevor sie die Stellenanzeige überhaupt geschaltet haben.
Recruiting im Wandel: Talente plattformübergreifend rekrutieren
Wie funktioniert aktive Talentansprache auf und außerhalb Eurer Plattform?
Wir tragen als erstes Job-Board, bei dem die Jobs die Talente finden, der Veränderung der Welt Rechnung — und dem Umstand, dass nicht mehr Jobs das knappe Gut sind, sondern die wertvollen Talente.
Dabei sprechen wir, auch dank Künstlicher Intelligenz, die über 21 Millionen Talente, die ein XING-Profil haben, direkt auf der Plattform aktiv an, sobald wir einen passenden Job im Inventar haben. Anders als klassische Job-Boards, müssen wir eben nicht warten, bis jemand aktiv eine Suche durchführt.
Dasselbe tun wir auch außerhalb der XING-Plattform, indem wir Talente im ganzen Internet nachjagen. Auch hier nutzen wir unsere gigantische Datenbasis, um statistische Zwillinge und Trafficvorhersagen zu erzeugen und so mit den Jobs unserer Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Moderne Personalgewinnung: KI im Recruiting
Wie hilft KI dabei, mehr Bewerbungen zu generieren?
Das Stichwort heißt hier: Relevanz. Künstliche Intelligenz erlaubt es uns (mit Hilfe so genannter Embeddings) immer genau zu wissen, welches Talentprofil wie nah an den Anforderungen eines bestimmten Jobs ist — und so extrem passgenau die Talente anzusprechen, für die der Job eine so hohe Relevanz haben könnte, dass sie eben auch wirklich reagieren. Natürlich funktioniert das noch nicht immer perfekt. Aber die Geschwindigkeit, mit der unsere Teams und unser System hier immer besser werden, ist extrem beeindruckend.
Die wichtigste Erkenntnis: Relevanz ist der zentrale Erfolgsfaktor für Aktivierung im Recruiting.
Genaueres werden wir bei RavenConnect erfahren, dem Business-Breakfast für HR-Verantwortliche. Was können Teilnehmer am 21.05.2026 konkret aus dem Vortrag zu Talentidentifikation und -aktivierung mitnehmen?
Ich freue mich besonders darauf, keinen Hypetalk über theoretische Möglichkeiten zu halten, sondern echte Use Cases aus dem wahren Leben mitzubringen. Meiner Erfahrung nach wissen das Teilnehmer immer extrem zu schätzen.
Raven51 Connect am 21. Mai 2026 im Hamburg!
Top-Thema: Recruiting 2026 strategisch ausrichten –
Zwischen Fachkräftebedarf und sinkender Wechselbereitschaft
- Wie verändert wirtschaftliche Unsicherheit das Kandidatenverhalten?
- Warum sinkt die Wechselbereitschaft vieler Talente?
- Und welche Wege gibt es, offene Positionen dennoch erfolgreich zu besetzen?
Raven51 gibt Einblicke, wie Recruiting auch 2026 wirksam funktioniert. Und XING zeigt, wie es auf und neben der Plattform Talente für Sie identifiziert und erfolgreich aktiviert. Gemeinsam diskutieren wir, welche strategischen Hebel HR 2026 braucht, um im Spannungsfeld zwischen Zurückhaltung und Fachkräftemangel erfolgreich zu navigieren.
FAQ: Häufige Fragen zum Recruiting im Wandel
Warum ist Recruiting heute schwieriger geworden?
Recruiting ist heute vor allem deshalb anspruchsvoller, weil sich der Arbeitsmarkt ständig verändert und schwer planbar geworden ist. In vielen Unternehmen wechseln sich Phasen von Hiring Freezes mit kurzfristigem, intensivem Personalbedarf ab. Diese Dynamik erschwert eine langfristige Recruiting-Strategie erheblich.
Unternehmen können nicht mehr darauf warten, dass Bewerbungen eingehen, sondern müssen flexibel und aktiv auf passende Kandidaten zugehen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Talente an Arbeitgeber, Prozesse und Ansprache – was Recruiting zusätzlich komplexer macht.
Welche KPIs sind im Recruiting wirklich relevant?
Früher galt im Recruiting vor allem: möglichst viel Reichweite erzeugen. Heute stehen Recruiter unter deutlich höherem Druck, schnell und effizient zu besetzen. Sichtbarkeit allein reicht nicht mehr – entscheidend ist, was am Ende wirklich ankommt.
Moderne Recruiting-Kennzahlen gehen deshalb über reine Reichweite hinaus. Entscheidend sind vor allem:
- Besetzungserfolg – Wurde die Stelle tatsächlich besetzt?
- Bewerbungsqualität – Passen die Kandidaten zur Position?
- Time-to-Hire – Wie schnell wird eine Stelle besetzt?
Diese KPIs zeigen, ob Recruiting-Maßnahmen tatsächlich zum Erfolg führen – und nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen.
Wie kann man schneller passende Kandidaten finden?
Unternehmen können ihre Recruiting-Geschwindigkeit deutlich erhöhen, indem sie proaktiv arbeiten. Besonders effektiv sind:
- der Aufbau von Talentpools
- eine datenbasierte Zielgruppenansprache
- sowie optimierte und schnelle Bewerbungsprozesse
So lassen sich geeignete Kandidaten oft schon identifizieren, bevor eine Stelle offiziell ausgeschrieben wird.
Welche Rolle spielt KI im Recruiting?
Künstliche Intelligenz unterstützt Recruiting vor allem dabei, Prozesse effizienter und zielgerichteter zu gestalten. Sie verbessert:
- das Matching zwischen Job und Kandidat
- die Personalisierung der Ansprache
- sowie das Timing von Kampagnen
Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass relevante Talente nicht nur erreicht werden, sondern auch tatsächlich reagieren.
Fazit: Warum Recruiting neu gedacht werden muss
Der Wandel im Arbeitsmarkt zwingt Unternehmen dazu, ihre Recruiting-Strategien anzupassen. Reichweite allein reicht nicht mehr aus – entscheidend sind Relevanz, Daten und Geschwindigkeit. Wer heute erfolgreich rekrutieren will, muss: Talente gezielt ansprechen, Prozesse beschleunigen und datenbasierte Entscheidungen treffen. Nur so lassen sich offene Stellen nachhaltig und effizient besetzen. Wir sind hier gerne Ihr Sparringspartner und helfen Ihnen, die richtige Strategie zu finden, in einer Zeit, in der Recruiting im Wandel ist.

