Gero, EMBRACE unterstützt bereits mehr als 700 Organisationen im öffentlichen Dienst. Warum brauchte es trotzdem eine Initiative wie „amtlich voran“?
Mich hat überrascht, wie ähnlich die Herausforderungen im öffentlichen Dienst sind – und wie selten diejenigen miteinander sprechen, die sie bereits erfolgreich gelöst haben. Genau diese Erfahrung haben Stefan Wagner und ich in unzähligen Gesprächen mit Kundinnen und Kunden gemacht.
Dabei haben wir gleichzeitig viele Organisationen erlebt, die bei Digitalisierung, Recruiting oder Arbeitgeberattraktivität bereits hervorragende Arbeit leisten. Unser Gedanke war deshalb einfach: Warum machen wir diese guten Ideen nicht für alle sichtbar?
Genau daraus ist amtlich voran entstanden. Mit Podcasts, Webinaren und unserem Forum schaffen wir eine Plattform, auf der öffentliche Arbeitgeber voneinander lernen können. Denn nicht jede Behörde muss jede Lösung selbst entwickeln. Deutschland muss den öffentlichen Dienst nicht neu erfinden. Wir müssen die guten Ideen endlich schneller teilen.
Bis 2030 droht dem öffentlichen Dienst eine enorme Personallücke. Drückt der Schuh aktuell mehr beim Bewerbermangel oder bei den Prozessen?
Das hängt stark von Organisation und Berufsgruppe ab. Natürlich gibt es Bereiche mit massivem Fachkräftemangel. Gleichzeitig erleben wir aber auch viele öffentliche Arbeitgeber mit sehr vielen Bewerbungen. Dort lautet die eigentliche Herausforderung: Wie bearbeiten wir diese schnell, transparent und rechtssicher?
Digitale Recruiting-Prozesse helfen genau dabei. Digitalisierung beginnt nicht bei der Stellenausschreibung. Sie beginnt beim Prozess. Wer gute Bewerberinnen und Bewerber wochenlang warten lässt, verliert sie – unabhängig davon, ob zehn oder tausend Bewerbungen eingehen.
In Behörden passiert bereits viel Gutes. Warum bleibt das für Talente oft unsichtbar?
Der öffentliche Dienst hat kein Imageproblem. Er hat ein Sichtbarkeitsproblem. Es gibt unzählige spannende Aufgaben mit gesellschaftlicher Relevanz. Darüber wird nur viel zu selten gesprochen. Menschen möchten wissen, woran sie arbeiten, welche Wirkung sie erzielen und wer ihre zukünftigen Kollegen sind. Mit „amtlich voran“ wollen wir genau diese guten Ideen sichtbar machen. Denn wenn etwas in Flensburg funktioniert, warum sollte München das Rad neu erfinden?
Junge Menschen suchen nach Sinn. Warum gelingt es vielen Behörden trotzdem nicht, diesen Vorteil auszuspielen?
Purpose ist ein großer Vorteil – aber eben nicht der einzige. Junge Menschen vergleichen heute nicht Behörden untereinander. Sie vergleichen jede Bewerbung mit dem besten Bewerbungserlebnis, das sie irgendwo gemacht haben. Deshalb braucht es neben Sinn auch moderne Prozesse, gute Führung und eine überzeugende Candidate Experience.
Ein Schwerpunkt Eurer Initiative ist rechtssicheres Recruiting. Wie verbindet man moderne Candidate Experience mit den gesetzlichen Anforderungen des öffentlichen Dienstes?
Indem man beides zusammen denkt. Rechtssicherheit und Candidate Experience schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Digitale Recruiting-Prozesse schaffen häufig mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Sie unterstützen Dokumentation und Beteiligungsprozesse und verbessern gleichzeitig das Erlebnis für Bewerber. Genau solche Beispiele wollen wir mit amtlich voran sichtbar machen.
Am 1. Oktober bringt Ihr Führungskräfte beim Forum in Berlin zusammen. Was nehmen die Teilnehmenden mit nach Hause?
Ich wünsche mir, dass niemand mit einer Visitenkartensammlung nach Hause fährt. Sondern mit konkreten Ideen, neuen Kontakten und dem Gefühl: Das können wir bei uns auch umsetzen. Mit Julia Jäkel, Prof. Dr. Enzo Weber, Dr. Dorit Bosch und zahlreichen Praxisbeispielen zeigen wir, was heute bereits funktioniert – und wie andere Organisationen davon profitieren können.
Warum braucht es das starke Ökosystem hinter amtlich voran?
Der öffentliche Dienst verfügt über enormes Know-how. Gleichzeitig bringen Partner zusätzliche Perspektiven, Technologien und Erfahrungen ein. Entscheidend ist, dass wir voneinander lernen. Es geht nicht darum, dem öffentlichen Dienst zu erklären, wie er funktionieren soll. Es geht darum, gemeinsam schneller besser zu werden.
Wenn wir uns in drei Jahren wieder treffen: Woran misst Du den Erfolg von amtlich voran?
Nicht an der Zahl unserer Podcasts oder Veranstaltungen. Erfolg bedeutet für mich, dass gute Ideen schneller ihren Weg durch den öffentlichen Dienst finden. Dass Verantwortliche sagen: ‚Diese Idee aus dem Netzwerk haben wir umgesetzt.‘ Oder: ‚Über amtlich voran haben wir genau die Menschen kennengelernt, die uns weitergeholfen haben.
Der öffentliche Dienst steht vor enormen Herausforderungen. Gleichzeitig habe ich selten so viele engagierte Menschen erlebt, die wirklich etwas verändern wollen. Wenn wir diese Menschen besser miteinander vernetzen, entsteht etwas, das weit über eine Veranstaltung hinausgeht. Genau das ist unser Anspruch mit amtlich voran. Wer Teil dieser Bewegung werden möchte, findet auf http://www.amtlichvoran.de alle Informationen zu unseren Podcasts, Webinaren und dem amtlich voran Forum am 1. Oktober 2026 in Berlin.
Dürfen wir vorstellen? Gero Hesse
Gero Hesse ist CEO von EMBRACE und Mitinitiator von „amtlich voran“.
Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Employer Branding, Recruiting und der Digitalisierung von Arbeitgeberkommunikation. EMBRACE unterstützt nach eigenen Angaben mehr als 700 Organisationen im öffentlichen Dienst.


