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    Ghosting im Recruiting: Wenn Bewerber von der Bildfläche verschwinden

    Haben Sie schon einmal etwas von Ghosting gehört? Das ist ein Phänomen, das eigentlich aus dem Online-Dating-Bereich bekannt ist. Man verabredet sich über eine Flirt-App zu einem Treffen, aber einer der beiden Date-Partner lässt den anderen sitzen. Ohne jedes Lebenszeichen. Ein Verhalten, das inzwischen auch ins Recruiting herübergeschwappt ist. Tatsächlich ist Ghosting im Recruiting gar nicht mal so selten, wie Studien zeigen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie mit diesem Trend umgehen sollten.

    Ghosting im Recruiting: Wenn Bewerber von der Bildfläche verschwinden
    Sad woman hug her knee,nobody

    Was ist Ghosting im Recruiting?  

    Eigentlich lief im Bewerbungsprozess alles vielversprechend. Nach zahlreichen sympathischen E-Mails und Chatnachrichten mit einem Talent mündete das darauffolgende Vorstellungsgespräch in einer Einladung zum Probearbeiten. Dann kam Tag X – alles war vorbereitet. Aber von dem Bewerber keine Spur. Keine E-Mail, keine SMS. Nichts. Keine Antwort. Auch sämtliche Anrufe oder Nachrichten des Personalers liefen ins Leere.  

    Haben Sie so etwas auch schon einmal erlebt?  Damit stehen Sie nicht allein, wie eine Studie von Indeed belegt. 83 Prozent der Arbeitgeber sagen: Ghosting nimmt im Recruiting zu. Oft bricht der Kontakt nach dem Bewerbungsgespräch ab. Wobei Ghosting nicht nur von Kandidaten ausgeht. Auch Bewerber berichten immer wieder davon, dass Personalerinnen und Personaler den Kontakt urplötzlich im Nichts verschwinden. 

    Lesen Sie am Ende des Artikels auch den Meinungsbeitrag von Matthias Schröder, unserem Chief Sales and Innovation Officer.

    Auch Unternehmen ghosten Talente

    Ob Ghosting nun von Talenten, oder vom Arbeitgeber ausgeht. Sitzengelassen zu werden, geht für beide Seiten mit unangenehmen Konsequenzen einher. Für Unternehmen kostet es – konservativ geschätzt – mindestens ein halbes Jahresgehalt, eine Vakanz zu besetzen. 

    Umso ärgerlicher ist es, wenn ein Kandidat eben noch begeistert den Arbeitsvertrag unterschreibt, dann aber an seinem ersten Tag nicht erscheint. Dann muss die komplette Recruiting-Maschinerie erneut angeworfen werden und weitere tausende Euro werden verbrannt. 

    Was Ghosting mit Talenten macht

    Aber auch an Talenten, die geghostet werden, geht so ein Erlebnis nicht spurlos vorbei. Bei ihnen kann Ghosting zu einer tiefen Verunsicherung und einem angeknacksten Selbstbewusstsein führen. Und das macht den nächsten Bewerbungsanlauf nicht gerade leichter. 

    Einmal abgesehen davon, dass das Ghosting von Talenten auch der Reputation eines Unternehmens immens schaden kann. Viele geghostete Kandidaten verarbeiten ihren Frust öffentlich in Social-Media-Postings  auf Facebook, TikTok und Co. Auch vernichtende Einträge in Arbeitgeberbewertungsportalen sind denkbar – mit einer entsprechend miesen Sternebewertung.

    Wie reagieren auf Ghosting?

    Lange Rede, kurzer Sinn – Ghosting schadet letztlich allen Beteiligten. Umso wichtiger ist es, es zu verhindern. Und zwar auf beiden Seiten. Dafür können Sie als Arbeitgeber eine Menge tun. Einerseits ist es essentiell, die eigene Personalabteilung und Führungskräfte darauf einzuschwören, im Recruiting nicht einfach in der Versenkung zu verschwinden. Auch, wenn gerade noch so viel zu tun ist – für eine kurze Absage mit Begründung muss immer Zeit sein. 

    Aber auch gegen das Ghosting von Bewerberinnen und Bewerbern haben Unternehmen etwas in der Hand. Oft gibt es nämlich einen Grund, warum Talente im Bewerbungsprozess die Reißleine ziehen. Nicht immer geschieht das aus Unachtsamkeit oder Boshaftigkeit – manche Kandidatinnen und Kandidaten wollen auch ein Zeichen setzen. Zum Beispiel gegen gestrige oder vorgestrige Bewerbungsprozesse. 

    Warum Sie Ihre Bewerbungsprozesse überprüfen sollten

    Eine Studie des Jobportals StepStone ergab, dass Bewerberinnen und Bewerber im Recruiting häufig frustriert sind. Zum Beispiel erwarten sie im Digitalzeitalter schnelle und effiziente Prozesse. Sie wollen sich über das Smartphone über eine Stelle informieren und sich auch auf diese bewerben. Allerdings sind nur 42 Prozent der Stellenanzeigen, die Arbeitgeber auf ihrer Karriere-Website oder bei Jobbörsen posten, überhaupt für Smartphones optimiert. Auch von einem mobiloptierten Bewerbungsprozess fehlt in 37 Prozent der Fälle jede Spur. 

    Talenten bleibt in der Regel allerdings nichts anderes übrig, als sich auf solch umständliche Bewerbungsprozesse einzulassen – es ist ja fast überall so. Umso mehr ärgert es sie, wenn darüber hinaus wichtige Fragen im Recruiting lange offen bleiben. Viele Kandidatinnen und Kandidaten würden sich von Anfang an deutlich transparentere Informationen über einen Job, den Bewerbungsprozess und die Dauer der Entscheidungsfindung wünschen. Aber Fehlanzeige. Es mangelt auch allzu häufig an Fakten über die Arbeitszeiten und über Themen wie Homeoffice und Remote-Work.

    Talente wollen mehr Transparenz

    Besonders wichtig ist auch das Thema Gehalt. 96 Prozent der Befragten erklären: „Wenn eine Gehaltsangabe in der Stellenanzeige steht, ist es wahrscheinlicher, dass ich mich bewerbe.“ Doch auch hierzu gibt erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt im Recruiting handfeste Informationen. Fast jeder zweite Kandidat (47 Prozent) würde laut der StepStone-Erhebung den Unternehmen, bei denen er sich schon beworben hat, daher höchstens die Schulnote „ausreichend“ vergeben.

    Und als wäre das alles noch nicht genug, ist da noch der Bewerbungsprozess an sich. Oft fällt im Recruiting erst nach Wochen eine Entscheidung, da viele administrative Prozesse erledigt werden müssen. Dafür können Arbeitgeber zwar nichts. In dieser Zeit wären Talente aber dankbar, in regelmäßigen Abständen informiert zu werden, welche Schritte als Nächstes anstehen und wie lange es noch dauert, bis die finale Entscheidung fällt. Doch solche Updates gibt es nur in den seltensten Fällen. 

    Gründe für Ghosting

    Doch das ist insbesondere jüngeren Talenten kaum mehr vermittelbar. Sie sind im Digitalzeitalter aufgewachsen und praktisch rund um die Uhr mit ihrem privaten und beruflichen Netzwerk via Smartphone verknüpft. Das Gerät zeigt im Sekundentakt neue Nachrichten an – aus allen möglichen Lebensbereichen. Aber, wenn es um Informationen zu einem neuen Job geht, schweigt sich der kleine Bordcomputer in der Hosentasche aus. 

    In Summe kann all das so viel Unmut erzeugen, dass Talente Arbeitgeber letzten Endes ghosten. So machen Kandidaten ihrem angestauten Ärger Luft. Das ist sicher nicht die feine englische Art, aber manchmal wissen sich gerade jüngere Talente einfach nicht zu helfen. Falls Sie wiederholt von Bewerbern geghostet werden, raten wir Ihnen dringend, die Ursache dafür zu suchen.

    Woran hakt es im Recruiting? Was könnte Kandidaten immer wieder dazu bringen, genervt aufzugeben oder abzuspringen? Je eher Sie die Antworten auf diese Fragen finden, umso mehr Zeit, Geld und Nerven sparen Sie sich. 

    Ghosting im Recruiting: Wenn Bewerber von der Bildfläche verschwinden

    Auf den Punkt gebracht …!

    Drei Fragen an Matthias Schröder, Chief Sales and Innovation Officer bei Raven51, zum Thema Ghosting. 

    Ghosting – was löst dieser Begriff bei Dir aus?
    Nichts Gutes, wie sollte er auch? Ob nun ein Bewerber einen Arbeitgeber ghostet oder umgekehrt – Ghosting hinterlässt immer einen schalen Nachgeschmack. Dass Recruiter Talente ghosten ist in meinen Augen ein absolutes No-Go. Oft wird dieses Verhalten damit entschuldigt, dass in HR-Abteilungen derzeit einfach zu viel lost ist. 

    Zweifellos ist der Druck in HR gegenwärtig groß: Nie gab es mehr offene Stellen und nie weniger Bewerber. Und Personaler sollen in kürzester Zeit Vakanzen besetzen. Dazu stehen sie in Kontakt mit vielen verschiedenen Talenten und sprechen unentwegt neue Kandidaten an. Hier kann in der Kommunikation schon mal etwas untergehen. Das sollte es aber nicht, denn es zeugt von einer extrem geringen Wertschätzung, Talente einfach zu versetzen.  

    Das Thema hat ja zwei Seiten: Bist Du schon einmal von Talenten geghostet worden?
    Ja, leider. Zum Glück noch nicht oft, aber ich muss zugeben: Es macht etwas mit einem. Ich erkläre mir das Verhalten der Talente wie folgt: Viele Jobsuchende können sich heute zwischen verschiedenen Jobs entscheiden. Manchmal sagt der Wunscharbeitgeber nicht sofort zu, also sichern sich Kandidaten vorsichtshalber Positionen in anderen Unternehmen. Ergattern sie ihren Traumjob letztlich doch, trauen sich manche nicht, eine Absage zu formulieren.

    Es gibt aber auch die, die ein Unternehmen für einen schlechten Bewerbungsprozess bestrafen und den Kontakt einfach abbrechen. Wobei ich hierfür dennoch kein Verständnis habe. Ich finde, genauso wie Kandidatinnen und Kandidaten das Recht haben, wertschätzend behandelt zu werden, haben auch Arbeitgeber das Recht, reinen Wein eingeschenkt zu bekommen. Über digitale Kommunikationsmittel ist es ein Leichtes, eine kurze Absage zu schicken. Gerne mit Hinweisen, was Talenten an dem Bewerbungsprozess nicht gefallen hat. So tragen sie dazu bei, dass sich etwas verändert. 

    Wie geht Raven51 damit um, wenn ein Talent plötzlich von der Bildfläche verschwindet? 
    Zunächst einmal versuchen wir, Kontakt aufzunehmen. Wenn ein Kandidat oder eine Kandidatin etwa zu einem Probearbeitstag nicht erscheint, könnte es sein, dass etwas passiert ist. Wir betrachten es daher als unsere Pflicht, nachzufragen. Erreichen wir das Talent bei guter Gesundheit, fragen wir nett und freundlich nach, wo das Problem lag. Falls es Kritik am Bewerbungsprozess gibt, nehmen wir diese sehr ernst. Das kann manchmal schmerzhaft sein, trägt aber letztlich dazu bei, die Qualität im Recruiting zu verbessern.

    Bildquelle: Bild von Jcomp auf Freepik