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    Gehaltstransparenz: Was ist für mich drin?

    „Sag mal, was verdienst du eigentlich?“ Mancher würde sich eher die Zunge abbeißen, als einen Kollegen nach seinem Einkommen zu fragen. In Sachen Gehalt herrscht in vielen deutschen Betrieben Schweigepflicht. Dabei wäre gerade im Bewerbungsprozess eine gewisse Offenheit ein echtes Pfund, mit dem Unternehmen gegenüber Bewerbern punkten könnten. Aber Arbeitgeber tun sich traditionell schwer mit dieser, dieser … Gehaltstransparenz.

    Google fordert: Legt die Gehälter offen

    Erinnern Sie sich noch, als „Google for Jobs“ an den Start ging? Die prominente Jobbox von Google taucht zwischen Suchergebnissen und Werbeanzeigen auf, wenn ein Nutzer nach einem Job sucht. Sie zeigt relevante Stellenanzeigen, passend zur Suchanfrage. Die Begeisterung war erstmal groß. Denn die Reichweichte der Suchmaschine ist einfach nur gigantisch. Vom Fachkräftemangel gebeutelte Recruiter sahen sich schon in Bewerbungen schwimmen.

    Die aufkommende Goldgräberstimmung wurde allerdings jäh getrübt: Damit eine Stellenanzeige in der Box angezeigt wird, müssen eine Reihe von Kriterien erfüllt sein. Bestimmte Informationen, nach einem von Google vorgegebenen Schema zur Verfügung gestellt, sind zwingend erforderlich. Zum Start von „Google for Jobs“ stand im Raum, dass die Veröffentlichung des Gehalts ein wichtiges Kriterium für eine gute Platzierung der Stellenanzeigen sein sollte. Jetzt sogen viele HR-Abteilungen scharf die Luft ein: Das Gehalt offenlegen? Schon in der Stellenanzeige? Reicht es nicht, mit dem Talent irgendwann mal darüber zu sprechen? Irgendwo zwischen dem zweiten oder dritten Vorstellungsgespräch und dem ersten Probearbeitstag?

    Gehaltstransparenz: Kandidaten wollen wissen, was sie verdienen

    Google denkt bewerberorientiert, versucht dem Jobsuchenden möglichst viele relevante Informationen bereitzustellen, darunter auch das Gehalt. In Deutschland ist die Angabe des Gehalts oder der Gehaltsspanne aber nach wie vor unüblich. Aktuell zählt sie deswegen auch für Google nur zu den empfohlenen Merkmalen einer Stellenanzeige.

    Schade! Denn Kandidaten sehen das Thema Gehaltstransparenz genau anders herum. Sie wüssten gern von Anfang an, was ihnen ein Arbeitgeber bieten kann. Die Untersuchung „Mehr Transparenz wagen“ von softgarden, einem Hersteller für Bewerbermanagementlösungen, kommt in diesem Zusammenhang zu spannenden Einsichten:

    • 31,3 Prozent der Bewerber würden gerne in der Anzeige Informationen zum Gehalt bekommen, bei Akademikern sind es sogar über 40 Prozent.
    • 39,8 Prozent finden es unfair, dass Bewerber ihren Gehaltswunsch von Anfang an nennen sollen, Arbeitgeber selbst mit Zahlen hinter dem Berg halten.

    Viele zahlen keine marktüblichen Gehälter

    Nicht über Gehalt zu sprechen, gehört in Deutschland aber seit jeher fest zur Unternehmenskultur. Obwohl andere Länder zeigen, dass es auch anders geht. In Norwegen oder Schweden ist das Einkommen längst transparent, in den USA sowieso, ebenso in der Alpenrepublik Österreich. Hier ist sich noch keiner aus Neid und Missgunst an die Gurgel gegangen.

    Doch genau damit begründen hiesige Arbeitgeber ihr Schweigen in der Regel: Zu viel Offenheit könnte den Betriebsfrieden stören. Die Kollegen von kununu finden allerdings: Dieses Argument ist hausgemacht. „Wenn Mitarbeiter fair und anhand nachvollziehbarer Kriterien entlohnt werden, sollte es doch keine Diskussion geben. Außerdem lässt sich dieses Ausgangsargument auch genauso gut umdrehen: Denn gerade, wenn niemand weiß, was andere verdienen, entstehen Gerüchte und Diskussionen über Gehälter.“

    Wie viel wiegt das Argument der Sinnstiftung?

    Viele Unternehmen halten sich in puncto Gehaltstransparenz aber auch deshalb zurück, weil sie von vornherein wissen, dass sie bei der Bezahlung nicht mit der Konkurrenz mithalten können. Also versuchen sie Talente auf dem Weg zur Vertragsunterschrift mit anderen Benefits zu ködern: Wertschätzung, Arbeitsklima, Teamwork. Ach, und dann ist da ja noch die Sache mit der Sinnstiftung, die laut Studien ein gutes Einkommen praktisch ersetzt.

    So hat unter anderem das Karrierenetzwerk XING herausgefunden: Jeder zweite Arbeitnehmer wäre bereit, für eine erfüllende oder gesellschaftlich verantwortungsvolle Aufgabe weniger zu verdienen: Purpose is the new money. Solche Nachrichten kippen Wasser auf die Mühlen mancher Arbeitgeber. Warum also noch über Geld reden?

    (Quelle: Xing)

    Ein Beispiel aus der Praxis…

    Ganz so einfach geht die Rechnung dann aber doch nicht auf. Zum einen, weil nicht jeder Job sinnstiftend ist. Zum anderen hinterfragen solche Studien ja lediglich, wie viele Arbeitnehmer dem eigenen Wohlstand theoretisch Lebewohl sagen würden. Aber wie viele wagen diesen Schritt auch wirklich? Uns fällt da eigentlich nur einer ein: TV-Moderator Tobi Schlegl machte vor ein paar Jahren Schlagzeilen, weil er statt vor der Fernsehkamera lieber im DRK-Rettungswagen stehen wollte.

    Die Sache mit dem niedrigeren Gehalt, das mit dem neuen Job unweigerlich einher ging, war aber auch Schlegl nicht ganz geheuer, wie n-tv berichtete: „Zeigt wieder, dass viele gesellschaftlich relevante Jobs ziemlich unangemessen bezahlt werden. Wenn man einigen Fernsehmoderatoren die Hälfte des Gehalts wegnehmen würde, hätten die immer noch deutlich mehr als viele Menschen, die sich sozial engagieren.“

    Gehaltsverzicht tut weh

    Schlegls Beispiel zeigt:

    1. Selbst ein bewusster Gehaltsverzicht tut weh! Sinnstiftung im Job oder andere Benefits ersetzen ein angemessenes Einkommen eben doch nicht so einfach.
    2. Schlegl wusste aber dank des transparenten Tarifsystems im öffentlichen Dienst von Anfang an sehr genau, worauf er sich einlassen würde und tat es dennoch.
    3. Es gibt also Menschen, die wissentlich monetäre Einbußen in Kauf nehmen, wenn sie wirklich von einem Job überzeugt sind.

    So ticken aber eben nicht alle. Laut softgarden ist ein Drittel der Bewerber auch schon mal im Bewerbungsprozess abgesprungen, weil sie über die Gehaltsaussichten enttäuscht waren. Unternehmen täten also gut daran, Bewerbern von Anfang an reinen Wein einzuschenken. Ansonsten verbrennt das nur Ressourcen auf beiden Seiten: „Arbeitgeber führen Jobinterviews ohne Aussicht auf Erfolg; Bewerber nehmen zum Teil lange Anfahrten in Kauf, bevor die Nennung des zu niedrigen Gehaltsangebots den begonnenen Prozess abrupt beendet“, warnen die Studienautoren von softgarden vor den Konsequenzen. Wir lassen das jetzt mal so stehen.

    Checkliste

    Abschließend haben wir noch neun Tipps für Arbeitgeber, die mehr Offenheit wagen wollen.

    1. Einen offenen Umgang mit dem Thema Gehalt als vertrauensbildende Maßnahme begreifen.
    2. Gehalt am besten schon in der Stellenanzeige angeben.
    3. Das Einkommen spätestens beim ersten Telefoninterview ansprechen.
    4. Auf jede Hinhaltetaktik in Sachen Gehalt verzichten.
    5. Regelmäßig Gehaltsstudien konsultieren: Bieten wir wirklich ein angemessenes Gehalt?
    6. Abweichungen von branchenüblichen Gehältern begründen.
    7. Bei niedrigen Löhnen: Als Alternative geldwerte Vorteile anbieten.
    8. Bewerber über die Einkommensaussichten während der Karriere aufklären.
    9. Auf Gehaltsgerechtigkeit im Unternehmen achten, gleiche Arbeit sollte auch gleich bezahlt werden.