Gruppe 896
Zwei Hände halten mehrere aufgefächerte Euroscheine mit verschiedenem Wert

Gehalt in Stellenanzeigen: Real Talk für Recruiter & Entscheider

Das Gehalt kann in einer Stellenanzeige, aber auch vor dem Vorstellungsgespräch oder auf andere Weise potenziellen Kandidaten mitgeteilt werden. So steht es in Artikel 5 der Entgelttransparenzrichtlinie der Europäischen Union. Eine Pflicht, das Gehalt in die Stellenanzeige zu schreiben gibt es also definitiv nicht – auch wenn an vielen Stellen anderes behauptet wird. Warum es trotzdem ratsam ist, das Salär bereits bei der Ausschreibung der Stelle zu veröffentlichen, darum geht es in diesem Artikel.
Das Gehalt kann in einer Stellenanzeige, aber auch vor dem Vorstellungsgespräch oder auf andere Weise potenziellen Kandidaten mitgeteilt werden. So steht es in Artikel 5 der Entgelttransparenzrichtlinie der Europäischen Union. Eine Pflicht, das Gehalt in die Stellenanzeige zu schreiben gibt es also definitiv nicht – auch wenn an vielen Stellen anderes behauptet wird. Warum es trotzdem ratsam ist, das Salär bereits bei der Ausschreibung der Stelle zu veröffentlichen, darum geht es in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis

Das Gehalt in der Stellenanzeige oder: Die Kür im Recruiting.

Wer sich mit Dr. Tobias Zimmermann von Stepstone zu diesem Thema unterhält, geht anschließend mit einem riesigen Wissensvorsprung nach Hause. Wie gut, dass wir das in unserer neuen Webinareihe „Raven51 & Stepstone Quarterly“ getan haben.

Gerade sein Impulsvortrag hat deutlich gemacht: Transparenz beim Gehalt ist längst kein unternehmerisches Risiko mehr, sondern ein extrem starker Hebel für bessere Bewerbungen, weniger Frust im Recruitingprozess und ein glaubwürdiges Employer Branding und mehr Bewerbungen.

Denn noch ist Gehaltstransparenz ein Unterscheidungsmerkmal. Durchschnittlich nur etwa 21 Prozent aller Unternehmen geben laut einer Studie von index Marktforschung das Gehalt in der Stellenanzeige an. Der Rest schweigt sich aus. Bald wird es Standard sein. Jetzt ist also die Zeit, sich über das Entgelt zu positionieren, bevor andere es tun.

Webinar verpasst? Einfach „nach“schauen!

Übrigens: Das Webinar, in dem wir auch zahlreiche Fragen aus dem Recruiting-Alltag aufgegriffen haben, haben wir aufgezeichnet. In unserer Mediathek steht es kostenfrei zum Abruf bereit:

https://raven51.de/webinar-mediathek

Der Arbeitsmarkt 2025: Willkommen im Jahr der Widersprüche

Hinzu kommt: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt war selten so paradox wie heute. Auf der einen Seite stagnierendes Wirtschaftswachstum, Unsicherheit bei Investitionen und Zurückhaltung auf Unternehmensseite. Auf der anderen Seite eine historisch niedrige Arbeitslosigkeit, eine Rekordbeschäftigung und eine nach wie vor hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften.

Unternehmen haben es aktuell schwer, neue Mitarbeitende zu finden. Gleichzeitig stehen sie unter Kostendruck und müssen Ressourcen effizient einsetzen. In dieser Gemengelage ist klar: Wer offene Stellen besetzen will, muss mit starken Argumenten punkten, und dazu zählt das Gehalt mehr denn je. Denn so kompliziert die äußeren Rahmenbedingungen sind: Die Erwartung der Kandidaten ist eindeutig. Sie wollen wissen, was sie erwartet, inklusive Gehalt.

Sechs starke Gründe für mehr Gehaltstransparenz

#1 Reallohnverlust und Nachholeffekte

Die Inflation der letzten Jahre hat die Kaufkraft vieler Arbeitnehmer geschmälert. Trotz nominaler Gehaltserhöhungen haben viele faktisch weniger Geld zur Verfügung als noch 2019. Der sogenannte Reallohnverlust ist spürbar und beeinflusst das Entscheidungsverhalten auf dem Arbeitsmarkt. Talente achten mehr denn je auf konkrete finanzielle Perspektiven. Wer keine Angaben macht, verliert an Sichtbarkeit. Die Aufmerksamkeit der Kandidaten wandert woanders hin. Vielleicht zum Mitbewerber?

#2 Die neue Marktmacht der Arbeitnehmenden

Über 50 % der Arbeitsverhältnisse enden durch Eigenkündigung. Und: 4 von 5 dieser wechselwilligen Talente haben bereits einen neuen Job in Aussicht. Was das bedeutet? Die Arbeitgeber sitzen nicht mehr automatisch am längeren Hebel. Es herrscht ein Bewerbermarkt. Nicht in allen Branchen, aber vor allem in begehrten Berufsgruppen.

#3 Gehalt ist der Top-Attraction-Faktor

Stepstone-Studien zeigen es deutlich: Zwei Drittel der Befragten nennen das Gehalt als wichtigsten Faktor bei der Jobwahl. Flexible Arbeitszeitmodelle und Sicherheit folgen mit Abstand. Wer glaubt, mit Obstkorb und Kicker überzeugen zu können, ohne über Geld zu sprechen, verpasst die zentralen Entscheidungshebel.

#4 Transparenz reduziert Reibungsverluste

Wer im Prozess zu spät über das Gehalt spricht, riskiert unnötige Aufwände. Bewerbungsgespräche, die ohne konkreten Rahmen geführt werden, scheitern oft an zu unterschiedlichen Vorstellungen. Zeit und Energie gehen verloren – auf beiden Seiten.

#5 Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie steht vor der Umsetzung

Spätestens mit der EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz rückt das Thema Gehaltspflicht in den Fokus. Auch wenn die Umsetzung in deutsches Recht noch bevorsteht, ist eines klar: Arbeitgeber sollen Bewerbenden so früh wie möglich im Recruitingprozess reinen Wein über das zu erwartende Gehalt einschenken. Warum nicht direkt in der Stellenanzeige?

#6 Gehalt wirkt auf Employer Branding

Laut einer repräsentativen Umfrage von Stepstone sehen 86 % der Befragten einen Arbeitgeber positiver, wenn dieser transparent mit Gehalt umgeht – unabhängig von der tatsächlichen Höhe. Das bedeutet, Gehaltstransparenz wirkt reputationsstiftend. Selbst wenn Kandidaten nicht zusagen, bleibt ein positiver Eindruck. Ein starkes Argument für jede Employer-Branding-Strategie.

Praktische Einwände aus dem Alltag und wie man ihnen begegnet

Problem 1: "Unser Gehalt ist nicht wettbewerbsfähig."

Dieses Argument hören wir häufig, vor allem im Mittelstand. Die Antwort: Dann kommunizieren Sie offen, was Sie stattdessen bieten. Vielleicht sind es Entwicklungsperspektiven, kurze Entscheidungswege, eine gesunde Unternehmenskultur oder besondere Benefits. Wichtig ist: Ehrlichkeit gewinnt. Eine realistische Spanne zu nennen, ist besser, als das Thema komplett auszuklammern.

Problem 2: "Das sorgt intern für Unruhe."

Transparenz nach außen hat Auswirkungen nach innen. Wer nach außen offen über Gehalt spricht, muss auch intern Fragen beantworten können. Aber das ist kein Nachteil, sondern eine Chance, faire Gehaltsstrukturen zu etablieren. Transparente Gehaltsbänder können helfen, Diskussionen zu versachlichen und Vertrauen zu stärken.

Problem 3: "Wie überzeuge ich die Geschäftsleitung?"

Oftmals stehen Entscheider Gehaltstransparenz skeptisch gegenüber. Hier hilft das Argumentieren mit Fakten. Vakanzzeiten kosten bares Geld. Wie viel, können Sie in unserem Cost-of-Vacancy Rechner nachrechnen:

Kostenrechner Offene Stelle
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Ermitteln Sie die Kosten für eine offene Position.
Wie hoch ist das Bruttojahresgehalt für die Position (in €)?

Eine unbesetzte Stelle kostet, je nach Branche, schnell mehrere zehntausend Euro im Monat. Wenn Gehaltstransparenz die Besetzungszeit halbiert, ist das ein starkes Argument.

Wie konkret muss eine Gehaltsangabe sein?

Die EU-Richtlinie spricht vom Bruttojahresgesamtgehalt, inklusive aller variablen und geldwerten Bestandteile. Das heißt:

  • Boni, Zulagen, Zuschüsse müssen mitgedacht werden

  • auch Sachleistungen können genannt werden, wenn sie klar beziffert sind

  • realistische Gehaltsspannen sollten nicht breiter als 30-35 % sein

Achtung: Reine Schätzwerte oder große Bandbreiten können das Vertrauen untergraben. Wenn ein Algorithmus z. B. bei Stepstone für eine Anzeige eine unrealistisch hohe Schätzung anzeigt, korrigiert sie aktiv. Die Erfahrung zeigt: Zielgerichtetere Bewerbungen sind die Folge.

Das Gehalt als Teil einer glaubwürdigen Candidate Experience

Fehlende Gehaltsangaben sind der Top-Frustfaktor vieler Bewerber. Das ergaben nicht nur Umfragen, sondern auch qualitative Tiefeninterviews im Rahmen von Studien. Wenn Unternehmen betonen, „Menschen stehen bei uns im Mittelpunkt“, gleichzeitig aber beim wichtigsten Entscheidungskriterium schwammig bleiben, entsteht ein Bruch im Markenbild.

Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo Worte und Taten übereinstimmen. Deshalb: Wer das Gehalt klar kommuniziert, zeigt Wertschätzung und schafft eine Bewerbungsatmosphäre auf Augenhöhe.

Gehalt in der Stellenanzeige: Was konkret rein sollte

  • Bruttojahresgehalt oder aussagekräftige Monatsangabe

  • Spanne statt Fixwert, aber mit Begründung (z. B. Berufserfahrung, Qualifikation)

  • Angabe optionaler Bestandteile wie Boni, Provision, Zuschläge

  • Zusätzliche geldwerte Vorteile: Dienstwagen, Firmenfitness, Kinderbetreuungszuschuss

  • Verortung innerhalb der EVP: Was bietet das Unternehmen darüber hinaus?

Wichtig: Gehalt ist kein Benefit, sondern Grundvoraussetzung. Aber die Kommunikation kann kreativ und integrativ sein. Beispiel: „Je nach Erfahrung bieten wir zwischen 50.000 und 65.000 € Jahresgehalt plus Erfolgsbeteiligung und flexible Arbeitszeitmodelle.“

Der Spagat zwischen Neu- und Bestandsmitarbeitenden

Ein nicht zu unterschätzendes Thema: Was passiert, wenn neue Mitarbeitende mehr verdienen als langjährige Kollegen?


Hier braucht es ein internes Konzept. Unternehmen sollten sich systematisch mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Wie bewerten wir Rollen und Leistungen?
  • Nach welchen Kriterien legen wir Gehaltsbänder fest?
  • Wie kommunizieren wir unsere Logik intern?

Transparenz heißt nicht Gleichmacherei. Aber sie verlangt eine nachvollziehbare, faire und kommunizierbare Struktur. Mit klaren Definitionen, wer wann warum welches Gehalt erhält. Da spielen Faktoren wie Berufserfahrung, Aufgaben, Verantwortung usw. eine entscheidende Rolle bei der Ausarbeitung. Wer diesen Weg geht, investiert nicht nur in das Recruiting, sondern in die gesamte Kultur des Unternehmens.

Wer früher kommuniziert, gewinnt früher

Die Zeit des Schweigens ist vorbei. Kandidaten erwarten Klartext. Gesetzgeber fordern ihn. Der Wettbewerb um Talente belohnt ihn. Also worauf warten?

Gehaltstransparenz ist kein Modethema, auch keine trockene Paragraphenreiterei, sondern schlicht eine strategische Notwendigkeit. Wer heute den Mut hat, offen und professionell über Geld zu sprechen, sichert sich:

  • mehr Sichtbarkeit im Stellenmarkt
  • bessere Passung bei Bewerbungen
  • weniger Frust im Prozess
  • mehr Glaubwürdigkeit im Employer Branding

Denn am Ende entscheidet der Real Talk.

Florian Grösch, Senior Expert Recruiting Solutions, ist immer den neuesten Trends und Themen auf der Spur. Dieses Wissen teilt er gerne in seinen Webinaren. Jetzt anmelden und aufschlauen.

 

 

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