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    Fachkräftemangel: Kommt die 42-Stunden-Woche? 

    In vielen Branchen bricht der Fachkräftemangel inzwischen alle Rekorde. Was tun? Auf diese Frage suchen Politik und Wirtschaft derzeit händeringend Antworten. Diskutiert wird unter anderem die Einführung der 42-Stunden-Woche. Aber ist das die richtige Lösung? Gäbe es nicht deutlich effizientere Gegenmittel gegen den Fachkräftemangel? Das erfahren Sie in diesem Artikel. 

    Fachkräftemangel: Kommt die 42-Stunden-Woche? 

    Wirtschaft befindet sich auf Rekordhoch 

    Nach einem historischen Beschäftigungs-Tief infolge der Coronapandemie ist die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr regelrecht explodiert. Das belegen aktuelle Zahlen der Jobbörse indeed. „Nachdem im Mai 2020 die Zahl der Stellenausschreibungen auf ein Rekordtief um Minus 21 Prozent gesunken war, hat es ungefähr ein Jahr gedauert, bis sich diese wieder auf Vor-Corona-Niveau befanden“, konstatiert Econimist Janina Hering in einem Webinar von Raven51.  

    Seitdem habe ein regelrechter Job-Boom eingesetzt – trotz der Ukraine-Krise. Hering: „Wir verzeichnen nach wie vor unfassbar viele neue Stellenausschreibungen – pro Monat kommen etwa eine Million neue Jobs hinzu.“ Das entspreche etwa 50 Prozent mehr offenen Vakanzen als vor Ausbruch der Pandemie.  

    Lesen Sie am Ende des Artikels auch den Meinungsbeitrag von Matthias Schröder, unserem Chief Sales and Innovation Officer.

    Arbeitgeber haben es schwer, Fachkräfte zu finden 

    „Das heißt im Umkehrschluss: Während es für Arbeitgeber um 50 Prozent schwerer geworden ist, eine Stelle zu besetzen, ist es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 50 Prozent einfacher geworden, einen Job zu finden, weil sie eine deutlich größere Auswahl haben“, ergänzt indeed-Evangelist Tim Verhoeven. Was für Bewerber eine durchaus erfreuliche Entwicklung darstellt, ist für Arbeitgeber zu einem schwerwiegenden Problem geworden: Der Fachkräftemangel befindet sich auf nie da gewesenem Höchstwert und Betriebe werden in ihrer Produktivität spürbar ausgebremst.  

    Besonders bemerkbar macht sich der War for Talents in der Pflege und Medizin. Engpässe ergeben sich aber auch in anderen Branchen. An allen Ecken und Enden fehlt es an Personal. In Kindergärten, Schulen, Behörden, der Industrie, in Hotels und Gaststätten. Eine Lösung muss her. Aber welche?   

    Kommt die 42-Stunden-Woche? 

    Wirtschaftsvertreter wie der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, und Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft, hätten da eine Idee: Warum nicht die Arbeitszeiten erhöhen? Von 40 auf 42 Stunden. Mit einem Schlag könnten so Aufgaben bewältigt werden, die ansonsten liegen bleiben würden. Theoretisch jedenfalls.  

    In der Praxis könnte sogar das genaue Gegenteil der Fall sein. Gerade in Bereichen, in denen kreativ gearbeitet wird, nimmt die Produktivität mit steigender Arbeitszeit eher ab. Das legen jedenfalls die Erfahrungen der österreichischen Online-Marketing-Agentur eMAGNETIX nahe. Diese bietet ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit einiger Zeit eine flexible 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt inklusive flexibler 4-Tage-Woche. Geschäftsführer Klaus Hochreiter: „Verglichen mit der Zeit vor der Arbeitszeitverkürzung haben die Kolleginnen und Kollegen ihre Produktivität um bis zu 34 Prozent gesteigert!“  

    Andere Länder experimentieren mit der 4-Tage-Woche 

    Hochreiters Erfahrungen decken sich mit denen anderer Betriebe. Daher geht der Trend rings um Deutschland herum auch eher zur 4-Tage-Woche. In Belgien, Island oder Großbritannien etwa. Umso mehr wirkt der Vorstoß, hierzulande die 42-Stunden-Woche einzuführen, unzeitgemäß. 

    Dabei gäbe es Alternativen, das Fachkräfteproblem zu lösen. Eine Studie des Fraunhofer Instituts kommt zum Beispiel zu dem Schluss: Wenn bis 2035 pro Jahr rund 260.000 qualifizierte Personen aus anderen Ländern zuwandern, wäre der Bedarf an Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt gedeckt. 

    Internationale Rekrutierung: Ein möglicher Lösungsansatz 

    Ein Unterfangen, das heute deutlich leichter umzusetzen ist, als vor der Coronapandemie. Für Jobs, die am Computer erledigt werden können, müssten Mitarbeitende aus dem Ausland nicht einmal umziehen. Unternehmen könnten ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Remote-Verträge anbieten.  

    Ein weiterer wichtiger Hebel im War for Talents, wenn nicht gar der entscheidende, könnte die Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber sein. Aktuelle Ergebnisse einer Gemeinschaftsstudie des Handelsblatts mit der Jobbörse StepStone zeigen, wie wichtig zum Beispiel ein gutes Diversity Management als Faktor im Wettbewerb um Bewerberinnen und Bewerber sein kann. 

    Diversity Management matters 

    Die Ergebnisse im Überblick:  

    • 77 Prozent der Studienteilnehmer geben an, sich eher bei einem Unternehmen zu bewerben, dass sich als tolerant, vielfältig und offen präsentiert. 
    • Vier von zehn der Teilnehmer geben sogar an, für einen Vielfalt fördernden Arbeitgeber auf Gehalt verzichten zu wollen.  
    • Für fast zwei Drittel wäre Diskriminierung ein Anlass, schnell Konsequenzen zu ziehen und zu kündigen.  

    Deutsche Unternehmen könnten vielfältiger sein 

    Das zeigt: Die Bedeutung des Themas für das Recruiting ist groß. Allerdings wird ihr hierzulande noch nicht angemessen Rechnung getragen – ganz im Gegensatz zu anderen Ländern:  

    • Zwei Drittel der Briten sind laut der Handelsblatt-/StepStone-Studie zum Beispiel der Meinung, dass ihr Arbeitgeber in den letzten drei Jahren große Fortschritte gemacht hat in Sachen Vielfalt und Chancengleichheit.  
    • In Frankreich sieht das jede oder jeder zweite Beschäftigte so.  

    In Deutschland kann dagegen nur etwas mehr als jeder Dritte diese Aussage unterschreiben. Hier besteht noch Luft nach oben. 

    Fazit 

    Unser Fazit: Die 42-Stunden-Woche scheint nicht die Lösung für das bestehende Fachkräftemangel-Problem zu sein. Wirksamer ist es, die Personalbeschaffung auf andere Länder auszudehnen und überdies eine Steigerung der Arbeitgeberattraktivität anzusprechen. In beiden Bereichen nutzen Unternehmen ihre Möglichkeiten nicht aus und lassen so wertvolle Chancen an sich vorbeiziehen.  

    Sie fragen sich, wie Sie Ihr Recruiting auf ein neues Level heben? Unsere Experten unterstützen Sie gerne und freuen sich auf Ihre Kontaktaufnahme 

    Fachkräftemangel: Kommt die 42-Stunden-Woche? 

    Auf den Punkt gebracht …!

    Drei Fragen an Matthias Schröder, Chief Sales and Innovation Officer bei Raven51.

    Was hältst Du von der Idee, künftig 42 statt 40 Stunden zu arbeiten?
    Ich glaube nicht, dass diese Lösung ernsthaft in Erwägung gezogen werden sollte. Ich bin ein Freund, Dinge neu zu denken und anders anzugehen. Einfach die Arbeitszeit hochzudrehen, wirkt für mich mehr als rückschrittig. In den 50er Jahren haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an fünf Tagen der Woche bis zu 50 Stunden in der Woche hart geschuftet und mussten einen hohen Preis dafür zahlen. Viele wurden aus Überlastung früh krank. Zwar arbeiten wir heute nicht mehr in dem Maße körperlich, dafür bewegt sich unser Geist aber in immer komplexeren Strukturen. Und auch dieser braucht einmal Pause und muss abschalten. Zumal insbesondere jüngere Arbeitnehmende weniger als mehr arbeiten wollen. Sie haben eine völlig andere Einstellung und eine andere Erwartungshaltung an das Berufsleben als frühere Generationen. Mit einer 42-Stunden-Woche gewinnt man garantiert keine Talente.

    Worauf kommt es stattdessen an?
    Es geht Talenten heute um Sinnstiftung, Flexibilität, die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten und um eine gute Vereinbarkeit von Privatem und Beruf. In einem solchen Konstrukt kann und darf der Job nicht mehr den größten Teil der Lebenszeit in Anspruch nehmen. Daher muss es andere Lösungen geben, als die Wochenarbeitszeit hochzusetzen und überdies noch über den Renteneintritt mit 70 nachzudenken. Das schreckt ab. 

    Welche Lösungen schweben Dir vor?
    Abgesehen von einem diversityfreundlichen und international ausgerichteten Recruiting, sehe ich auch eine Chance darin, den bürokratischen und administrativen Wasserkopf in Deutschland abzubauen. Es ließe sich so viel wertvolle Arbeitszeit einsparen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von umständlichen administrativen und bürokratischen Prozessen entlastet würden. Gleichzeitig müssen sich Unternehmen die Frage gefallen lassen, warum sie nicht mehr junge Menschen ausbilden. Auch hier ist noch Luft nach oben. Im Jahr 2021 haben laut des Statistikportals Statista rund 467.100 Personen in Deutschland einen neuen Ausbildungsvertrag in der dualen Berufsausbildung abgeschlossen. Das waren nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) nur 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr, in dem aufgrund der Corona-Pandemie einen historischen Tiefstand verzeichnet wurde. Das ist einfach nicht genug.