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    Chatbots im Recruiting: Die kalte Macht der Maschine?

    Derzeit wird so ziemlich alles digitalisiert, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Auch im Recruiting. Das ist richtig und wichtig. Allerdings zeichnet sich ab, dass genau abgewogen werden sollte. Kandidaten stehen zum Beispiel so gar nicht darauf, wenn im Bewerbungsprozess der Chatbot offene Fragen beantwortet.

    Der Wunsch ist groß, sich schneller „face-2-face“ gegenüber zu stehen.

    Bewerber müssen im Recruiting inzwischen viele digitale Hürden nehmen, bevor sie mit einem Menschen sprechen. Sie füllen Online-Formulare aus, lassen ihren Lebenslauf von einem Algorithmus checken, sie absolvieren Online-Assessments und erhalten automatisch generierte Feedbackmails. Technik, wohin das Auge blickt. Der persönliche Kontakt zu einem echten Menschen entsteht oft sehr spät.

    Doch der Wunsch ist groß, sich schneller „face-2-face“ gegenüber zu stehen. Das empfindet jeder zweite Bewerber so, wie Blogger Henrik Zaborowski in einer Umfrage mit dem Softwareanbieter softgarden herausgefunden hat. Was Talente wollen, ist eindeutig: Jeder zweite möchte schneller Kontakt mit einem persönlichen Ansprechpartner im Unternehmen haben.

    Hier ergibt sich also eine deutliche Diskrepanz zwischen den Errungenschaften des Digitalzeitalters und den zutiefst menschlichen Bedürfnissen der Kandidaten. Daher sollte sich HR die Frage stellen:

    • An welcher Stelle ist die Digitalisierung im Recruiting sinnvoll?
    • Ab wann empfindet der Kandidat den Eingriff des Roboters als kalte Macht der Maschine?

    Chatbots im Recruiting – Für und Wider

    Nehmen wir zum Beispiel den Chatbot. Das ist ein
    automatisiertes Dialogsystem, mit dem per Texteingabe kommuniziert werden kann.
    Sie kennen das sicher längst von Unternehmenswebseiten. Immer häufiger ploppt
    am unteren rechten Rand ein Dialogfenster auf, das aussieht wie ein Chatmodul.

    Sie erhalten auch direkt eine Nachricht: „Wie kann ich Ihnen helfen?“ Geben Sie nun eine Frage ein, kommt die Antwort darauf nicht von einem Menschen, sondern von einem Chatbot. Dieser wurde zuvor mit allen möglichen Fragen gefüttert, die ein User wie Sie stellen könnte und liefert automatisch die richtige Antwort. Dank künstlicher Intelligenz werden die Systeme immer schlauer und antworten immer zielgerichteter.

    Chatbot auf der Karriereseite – muss das sein?

    Auch auf Karrierehomepages liefern Chatbots Bewerbern inzwischen Antworten auf offene Fragen. Das ist vor allem für diejenigen ein echter Service, die außerhalb der Geschäftszeiten bei dem Arbeitgeber vorbeisurfen und ein paar Hintergrundinformationen erhalten wollen. Anders sieht es dagegen aus, wenn das Talent tagsüber auf die Seiten des Arbeitgebers kommt, munter seine Anliegen in das Dialogfeld tippt, aber auf den ersten Blick gar nicht unterscheiden kann, ob es sich um einen Bot handelt, mit dem es da spricht oder nicht. Viele Unternehmen gestalten die Eingabefenster nämlich so, dass der Eindruck entsteht, man chatte zu einem echten Mitarbeiter. Nebst Bild wird oft sogar eine Positionsbezeichnung der „Person“ angezeigt, mit der man gerade „spricht“.

    Bloß keine falschen Tatsachen vortäuschen

    Das Problem: Das Wissen eines Chatbots ist begrenzt. Er kann super Standardfragen beantworten. Schwierig wird es aber bei komplexeren Themen. Dann fliegt die Maskerade auf. Ist der Bot mit seinem Latein am Ende, gibt es nämlich statt einer Antwort den Hinweis, dass die Frage an die Fachabteilung – also HR – weitergeleitet wurde. Ob die sich dann je meldet? Fraglich! Dann ist die Enttäuschung des Talents unweigerlich groß. Es fühlt sich verschaukelt. Immerhin wurde ihm eine Nähe vorgegaukelt, die es in Wirklichkeit nie gab.

    An dieser Stelle stößt die Digitalisierung eindeutig an ihre Grenzen und unterwandert den Human Factor. Wenn Arbeitgeber schon Chatbots einsetzen, warum weisen sie dann nicht ganz offen darauf hin? Das zeugt von Transparenz und innovativem Recruiting, mit dem Ziel die Fragen des Kandidaten unverzüglich und unkompliziert zu beantworten. Und vor allem kann das Talent dann entscheiden, ob es sich auf den Chat mit dem Roboter einlässt oder nicht.

    Wie Chatbots die Bewerbung erleichtern

    Das heißt aber nicht, dass Tools wie Chatbots im Recruiting per se zu verurteilen wären. Es kommt auf den Bereich an, in dem sie zum Einsatz kommen. Chatbots können das Recruiting auch nach vorne bringen. Zum Beispiel können sie mobilen Bewerbern das Leben leichter machen. Häufig klicken sie auf den Bewerben-Button in einer Stellenanzeige und ein ellenlanges Eingabeformular ploppt auf. Abgefragt werden nicht nur alle wichtigen Karrierestationen, auch ein Anschreiben ist erwünscht. Wie sollen Talente all das bitteschön auf einem kleinen Smartphone Display eintippen? Und das dann auch noch fehlerfrei. Das funktioniert nicht! Also springen sie ab.

    An diesem Punkt können Chatbots eine echte Erleichterung sein. Statt eines klassischen Bewerberformulars führt Kollege Roboter mobile Talente durch den Bewerbungsprozess. Er fragt vor allem Kontaktdaten ab und ein paar wesentliche Profilinformationen und stellt dem Recruiter alles fein säuberlich aufbereitet zur Verfügung. So gelingt eine Bewerbung in nicht mal einer Minute.

    Was geht zu weit?

    In manchen Fällen ist der Robot Recruiter sogar mit einem Matching-Tool verknüpft, das abgleicht, ob der Kandidat mit seinem Profil wirklich zur ausgeschriebenen Stelle passt oder nicht. Der Bot übermittelt dem Recruiter dann nicht nur Bewerberdaten. Er unterstützt ihn auch bei der Vorauswahl und versieht die Bewerberakte mit einem Matching-Score, der anzeigt: Hop oder top? Doch hier scheiden sich erneut die Geister. Was, wenn der Kandidat in Eile war und keine vollständigen Angaben gemacht hat? Fällt er dann durchs Raster?

    Ein Fall hat jüngst bewiesen: Irren ist nicht grundsätzlich immer nur menschlich. Auch der Roboter kann sich täuschen. Denken wir nur an den Bot, der den Online-Händler Amazon vor ein paar Jahren doch ziemlich in die Bredouille gebracht hat. Der sollte Lebensläufe früherer Bewerber analysieren und anschließend das Web nach passenden Kandidaten durchsuchen.

    Allerdings stellte sich heraus: Das System präferiert Männer. Da hauptsächlich Lebensläufe männlicher Bewerber analysiert wurden, avancierte das Geschlecht zum Ausschlusskriterium. Das Projekt wurde schnellstens beerdigt. Unser Fazit: Recruiter! Prüfe intensiv, an welche Technik du dich bindest.